FightING ILISU DAM  - SAVE HASANKEYF AND TIGRIS VALLEY

Welcome to the Homepage of the „Initative to Keep Hasankeyf Alive“

Spiegel: Am türkischen Tropf

Der Spiegel, 30.10.2006

 

NAHER OSTEN

 

Am türkischen Tropf

 

Der Bau des riesigen Ilisu-Staudamms im Südosten der Türkei erzürnt den Nachbarn Irak. Zur Gewinnung von Strom aus Wasserkraft will Ankara den Tigris zu einem künstlichen See von gut 300 Quadratkilometern aufstauen. Dadurch werde der Wasserfluss im Irak reduziert, klagte jetzt Bagdads Wasserminister, Latif Raschid, in einem Schreiben an die deutsche Umwelt- und Entwicklungsorganisation WEED. "Ohne Zweifel wird das zu einer erheblichen Verschlechterung der Wasserqualität führen", so Raschid. Der rund 1900 Kilometer lange Tigris entspringt in der Türkei und fließt in der Nähe des südtürkischen Cizre in den Irak.

 

Auch die Bundesregierung sorgt sich um die Auswirkungen des Großprojekts auf die Anrainer. Berlin steht vor der heiklen Entscheidung über Exportkredite für den auch in der Türkei umstrittenen Staudamm. Von deutscher Seite beteiligt sich der schwäbische Konzern Züblin am internationalen Baukonsortium. Ankara müsse die Einhaltung der Mindestwassermenge für die Tigris-Anrainer sicherstellen, hieß es am vergangenen Freitag aus deutschen Regierungskreisen; auch müssten die Nachbarstaaten umfassend konsultiert werden. Sollte es eine Genehmigung für die Exportkredite geben, könne der Türkei eine entsprechende Auflage gemacht werden. Unterdessen appellierte WEED an die Bundesregierung, keine Hermesbürgschaften zu erteilen. "Die Klage aus Bagdad zeigt, dass internationale Standards und das Völkerrecht nicht berücksichtigt werden", so Sprecherin Heike Drillisch. Das türkische Außenministerium zeigte sich irritiert über die Vorwürfe. In direkten Kontakten habe die irakische Seite das Thema bisher noch nicht einmal erwähnt. Die Türkei sei offen für Gespräche, eine ausreichende Wassermenge für den Irak werde selbstverständlich garantiert, so ein Sprecher.